Newsletter Mai 2020 der BayWa r.e. Wind GmbH

Experteninterview

mit Dr. Silke Christiansen, Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE gGmbH)

Jörg Penzlin, Leiter Kooperationen und Projekteinkauf BayWa r.e. Wind GmbH, spricht mit Frau Dr. Silke Christiansen, Rechtsreferentin des Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE gGmbH), über den Konflikt zwischen Windenergie und Artenschutz sowie insbesondere die Ansiedlung geschützter Arten nach Genehmigungserhalt.

Jörg Penzlin (JP): Frau Dr. Christiansen, als Projektentwickler gewinnt man aktuell den Eindruck, dass an fast allen Nicht-Genehmigungen ein Rotmilan die Schuld trägt. Auch wenn ich übertreibe, der Konflikt zwischen der Windenergie und dem Artenschutz ist aktuell überall präsent und es wird immer schwieriger, eine Genehmigung zu erlangen. Erhält man dann eine Genehmigung, würde man meinen, der Artenschutz birgt keine Risiken mehr. Was meinen Sie? 

Dr. Silke Christiansen (SC): Der Ausbau der Windenergie ist rückläufig. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und lassen sich nicht nur am Rotmilan, sprich Artenschutz, festmachen. Trotzdem ist es auch richtig, dass es zu Situationen kommen kann, in denen die Interessen von Windenergiebetreibern an (artenschutz-)rechtliche Grenzen stoßen.

Auch wenn eine Genehmigung bereits erteilt wurde, kann es vorkommen, dass es noch zu artenschutzrechtlichen Konfliktlagen kommt. Dass Genehmigungen im Nachhinein geändert werden können, ist aber keine „windenergiespezifische“ Besonderheit. Das Immissionsschutzrecht etwa sieht diese Möglichkeit grundsätzlich vor. Im Bereich des Artenschutzrechts sind nachträgliche Auflagen für Windenergieanlagen allerdings nur nach dem Bundesnaturschutzgesetz zulässig. 

JP: Für Projektentwickler und Investoren ist die Planungssicherheit über eine Betriebszeit von mindestens 20 Jahren enorm wichtig. Was sollte man Ihrer Meinung nach am Genehmigungsprozess ändern? 

SC: Für den Genehmigungsprozess sind klare und erfüllbare Vorgaben (z. B. Kriterien und Maßstäbe für die Bewertung des Tötungsrisikos für Vögel und Fledermäuse) sehr wichtig.

Änderungen an den grundlegenden Bestimmungen des Artenschutzrechts anzustreben, ist kein Weg, der kurz- oder mittelfristig erfolgreich sein könnte, da hier die europarechtlichen Vorgaben maßgeblich sind und sich der Gesetzgeber nur innerhalb dieser bewegen kann. Allerdings gilt es, im Genehmigungsverfahren klar zu unterscheiden: Was ist nach den immissionsschutzrechtlichen Vorgaben geboten und was ist – möglicherweise darüberhinausgehend – naturschutzfachlich wünschenswert? Das ist sicher nicht immer deckungsgleich. Wir plädieren dafür, das fachlich Wünschbare nicht um jeden Preis umzusetzen, da dies zu Lasten der Rechtssicherheit von Genehmigungen gehen kann.

JP: Jetzt mal Klartext; reden wir über ein Schreckgespenst oder ist die Gefahr real? Was ist der Ihnen bekannte, schlimmste Fall, bei dem eine nachträgliche Ansiedlung den Betrieb eines Windparks beeinträchtigt hat? 

SC: Wir haben uns mit denjenigen Fällen befasst, zu denen es Rechtsprechung gibt. Die Anzahl ist überschaubar. Aus den Ländern liegen uns leider keine belastbaren Meldungen vor, wie häufig es zu nachträglichen Änderungen oder gar Stilllegungen gekommen ist. Wir würden gern Einblick in solche Bescheide nehmen. Falls Sie – oder andere Projektierer – uns dies ermöglichen könnten, würden wir sie fachlich auswerten.  

JP: Als abschließende Frage lassen Sie uns noch kurz auf das Repowering schauen: Sind Standorte, an denen bereits 15 Jahre oder länger ein Windpark betrieben wird, im besonderen Maße oder eher weniger gefährdet? Was würden Sie einem Projektentwickler empfehlen, der ein Repowering plant und beim Betrieb des Alt-Windparks keine besonderen Auflagen zum Artenschutz beachten muss? 

SC: In den Ländern stehen derzeit viele Standorte vor einem Repowering. Das Problem ist: Die Anlagen, die derzeit dort stehen, wurden seinerzeit keiner artenschutzrechtlichen Prüfung unterzogen, weil es im deutschen Naturschutzrecht entsprechende Vorschriften erst seit 2007 gibt. Viele Anlagenstandorte sind daher aus Sicht des Naturschutzes nicht optimal. Wenn auf oder in der Nähe von solchen „Altstandorten“ neue Anlagen errichtet werden, muss erneut ein Genehmigungsverfahren – dieses Mal mit einer artenschutzrechtlichen Prüfung – durchlaufen werden. Für den Antragsteller besteht dadurch das Risiko, dass artenschutzrechtliche Verbotstatbestände nun als erfüllt festgestellt werden. Es wird diskutiert, ob und inwieweit an bereits durch Windenergieanlagen vorgenutzten Standorten vereinfachte Verfahren für die Signifikanzbewertung durchgeführt werden könnten oder sollten. Das könnte etwa bedeuten, dass man den bisherigen Betrieb der Anlagen und das „bestehende“ Kollisionsrisiko in die Betrachtung des Ausgangszustandes einbezieht.  

Nach unserer Auffassung ist die Weiternutzung von planungsrechtlich ausgewiesenen und gesicherten Standorten grundsätzlich sinnvoll, und es könnte aus naturschutzfachlicher Sicht sogar vorteilhaft sein, wenn mehrere kleine durch wenige und größere Anlagen ersetzt würden. Neue höhere Anlagen können im Vergleich zu den alten, niedrigeren Anlagen durchaus mit geringeren Kollisionsrisiken für Vögel verbunden sein – trotz der größeren Rotorblattlängen und Rotordurchmesser. Wichtig ist hier allerdings, dass die Rotorblattspitzen einen ausreichend hohen Abstand („freier Durchgang“) zur Bodenoberfläche oder – bei Standorten im Wald – zur überstellten Vegetation aufweisen.  

Sie sehen, es ist viel in Bewegung, um bestehende Hemmnisse zu beseitigen oder zumindest zu reduzieren und dem Windenergieausbau wieder Schwung zu verleihen. 

JP: Frau Dr. Christiansen, vielen Dank für das Gespräch.


Experteninterview 

mit Florian Voigt, LandesEnergieAgentur Hessen GmbH (LEA)

Jörg Penzlin, Leiter Kooperationen und Projekteinkauf BayWa r.e. Wind GmbH, spricht mit Florian Voigt, Projektleiter Bürgerforum Energieland Hessen der LandesEnergieAgentur Hessen GmbH (LEA), über Beratungsangebote für Kommunen rund um das Thema Windenergie.

Jörg Penzlin (JP): Herr Voigt, Hessen bietet mit der Landesenergieagentur ein Beratungsforum für Gemeinden im Zusammenhang mit Erneuerbaren Energien Projekten an. Wie wird dieses Angebot von den Gemeinden angenommen und welches sind die am häufigsten nachgefragten Beratungsthemen?

Florian Voigt (FV): Das Beratungsangebot „Bürgerforum Energieland Hessen“ unterstützt Kommunen in der Kommunikation zu kontroversen Fragen der Energiewende. Unser Beratungsauftrag des Landes Hessen ist hierbei Themen-offen, aber durch das hohe Konfliktpotential werden wir doch hauptsächlich zu Projekten und Fragen rund um die Windenergie gerufen. Hier organisieren und moderieren wir z.B. Bürgerinformations-Angebote in verschiedenen Formaten und bieten Sachinformationen über unsere „Faktenpapiere“ an.

JP: Im Hinblick auf die Windenergie nehmen wir vor Ort ein sehr unterschiedliches Informationsbedürfnis und einen sehr unterschiedlichen Wissensstand wahr. Wie ist Ihr Eindruck – wie ist der Wissensstand vor Ort und ist das Wissensbedürfnis gedeckt?

FV: Hier ist das Bild sehr inhomogen – und wir müssen daher die berechtigten Fragen auf unterschiedlichen Ebenen beantworten. Einige Interessensgruppen wie Mandatsträger, kritische Bürgerinitiativen oder auch proaktive Bürger-Energiegenossenschaften haben sich tief in Detailfragen eingearbeitet und erwarten fundierte Sachinformationen. Eine breite – teils schweigende – Mehrheit der Bevölkerung nimmt die Konfliktthemen aber nur aus der Distanz mit wenig Vorerfahrung war. Hier bieten wir den Kommunen flexible Formate, um den interessierten Bürger auf Augenhöhe mit Informationsangeboten zu begegnen.

JP: Schauen wir einmal auf die Frage der lokalen Wertschöpfung. In welchen Bereichen sehen Sie hier die größten Potentiale?

FV: In vielen hessischen Regionen sind Bürger-Energiegenossenschaften aktiv, die mit viel Engagement und Rückhalt in der Bevölkerung lokale Energieprojekte vorantreiben und frei nach Raiffeisen „das Geld des Dorfes im Dorf investieren“. Für eine hohe Akzeptanz in der Bürgerschaft sorgt aber vor allem auch eine Partizipation der Allgemeinheit über neue Einnahmemöglichkeiten für den Gemeindehaushalt, etwa durch Pachterlöse, Sonderabgaben oder spätere Steuereinnahmen. 

JP: Und beeinflusst die Steigerung der lokalen Wertschöpfung die Akzeptanz vor Ort positiv?

FV: Wenn durch sichere kommunale Einnahmen – z.B. über Pachten – der Kindergarten oder das Schwimmbad über die Wertschöpfung aus Energieprojekten finanziert werden können, hat dies die höchste Sichtbarkeit und eine erlebbare Verknüpfung für alle Bürger. Je souveräner hier eine Kommune gestalten kann, je höher ist zumeist auch die Akzeptanz in der Bürgerschaft.

JP: Abschließend noch die folgende Frage: was soll aus Ihrer Sicht ein Projektentwickler auf jeden Fall tun, um ein Projekt im Hinblick auf die lokale Akzeptanz positiv zu beeinflussen?

FV: Kommunikation, so früh und so offen wie möglich! Eine echte Beteiligung der Kommune und der Bürger mit realen Handlungsoptionen wird auch mit Akzeptanz honoriert. Nur kurz vor Einreichung eine fertige Planung zu präsentieren und auf eventuelle spätere Starbriefe oder Stromtarife zu verweisen, führt nicht zum Erfolg. Hier beraten und vermitteln wir gerne zwischen den Kommunen und den Planern.

JP: Herr Voigt, vielen Dank für das Gespräch.


Neuigkeiten aus der BayWa r.e. Wind GmbH

Podcast mit Andreas Hornig, Leiter für Beteiligungsmodelle & Akzeptanz

Ein gutes Erneuerbare Energien Projekt ist immer ein Projekt, das von einer breiten Zustimmung vor Ort getragen wird und von dessen Chancen nicht nur die Gemeinde selbst, sondern auch möglichst viele Bürgerinnen und Bürger profitieren. 

Andreas Hornig, Leiter für Beteiligungsmodelle und Akzeptanz in der BayWa r.e. Wind GmbH spricht über zahlreiche Angebote, die jüngst entwickelt wurden, um allen Beteiligten oder auch Betroffenen tatsächliche Mehrwerte zu bieten.


Neuigkeiten von BayWa r.e.

BayWa r.e. realisiert größten schwimmenden Solarpark außerhalb Chinas

Innerhalb von gerade mal 7 Wochen hat BayWa r.e. die weltweit größte schwimmende PV-Anlage außerhalb Chinas realisiert. Das 27,4 MWp-Projekt Bomhofsplas wurden auf einem Baggersee im niederländischen Zwolle mit rund 73.000 PV-Modulen, 13 schwimmenden, zum Patent angemeldeten Transformatoren und 338 Wechselrichtern errichtet.

Mit Expertise und Innovationskraft hat BayWa r.e. ein eigenes Floating-PV-System entwickelt, das auf der zum Patent angemeldeten Unterkonstruktion ZimFloat basiert. Auch diese wurde von BayWa r.e. in Zusammenarbeit mit der Zimmermann PV-Stahlbau GmbH entwickelt.

Das Floating PV-System ist in der Lage, hohen Wind-, Wellen- und Schneelasten standzuhalten und bietet eine sichere Struktur für den laufenden Betrieb und die Wartung.

Dieses neuartige System ermöglicht die Erzeugung von erneuerbaren Energien auf künstlichen Süßwassergewässern wie stillgelegten Steinbrüchen, Kies- und Sandabbauseen sowie Stauseen. Neben der Nutzung von ungenutzten Flächen und den neuen Möglichkeiten, die sich für Besitzer künstlicher Gewässer ergeben, haben schwimmende Solaranlagen noch einige weitere Vorteile gegenüber Freiflächenanlagen. Dazu gehören die deutliche Reduzierung der Wasserverdunstung, eine einfachere Installation, höhere potenzielle Erträge dank des Kühlungseffektes des Wassers sowie niedrigere Betriebs- und Wartungskosten.

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Neuigkeiten aus der BayWa AG

Smarte Lösungen für den Landwirt dank „sprechender“ Felder

Kaum ein zu bewirtschaftendes Stück Land ist in sich homogen und bietet überall das gleiche Ertragspotenzial. Eine gleiche Bewirtschaftung aller Felder ist unwirtschaftlich, da Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel teilweise verschwenderisch eingesetzt werden und an anderen Stellen das volle Ertragspotential nicht ausgeschöpft wird. Die unterschiedliche Beschaffenheit des Bodens erfordert demnach eine differenzierte Bewirtschaftung. 

Dieses hat BayWa AG zum Anlass genommen, um zusammen mit ihren Tochterfirmen FarmFacts GmbH und Vista Geowissenschaftliche Fernerkundung GmbH, welche über viele Jahre hinweg per Satellitenaufnahmen weltweit Bildmaterial von Biomasse-, Standort- und Ertragsinformationen gesammelt hat, Lösungsangebote rund um die sogenannten TalkingFields Karten zu entwickeln. In Kombination mit dem Farm Management System NEXT Farming von FarmFacts kann dieses Datenmaterial dem Landwirt bereitgestellt und zusammen mit vielfältiger Sensorik an Landmaschinen für betriebliche Effizienzsteigerungen nutzbar gemacht werden. Der Landwirt kann dank dieser digitalen Lösung jederzeit den aktuellen Entwicklungsstand einzelner Feldzonen verfolgen, Aussaat- und Feldvorbereitungen planen sowie die getroffenen Entscheidungen an die Landmaschinen weitergeben und so eine optimale Management-Strategie für das Feld erzielen. 

Das Thema High-Tech hat damit auch in der Landwirtschaft längst Einzug gehalten. Digitale Lösungen werden künftig dazu beitragen, ein genaueres Verständnis von Boden und Pflanzen zu erhalten, was zu fundierten Entscheidungen des Landwirts führt und ein deutlich effizienteres und vor allem auch nachhaltigeres und umweltschonenderes Wirtschaften ermöglicht.

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