Newsletter Juli 2019 der BayWa r.e. Wind GmbH

Interview aus der Windbranche

Im Gespräch mit Philipp von Tettau

Jörg Penzlin, Leiter Kooperationen & Projekteinkauf BayWa r.e. Wind GmbH spricht mit Philipp von Tettau (Bild), Gründungspartner der Kanzlei Müller-Wrede & Partner Rechtsanwälte

Jörg Penzlin (JP): Sehr geehrter Herr von Tettau, dass Thema Planungshemmnisse ist in der Branche aktuell in aller Munde. Neben dem Thema Artenschutz und Flächenausweisung stehen weitere Hemmnisse, die zu Verzögerungen im Genehmigungsprozess führen. Der „Genehmigungsstau“ macht sich auch deutlich im nicht ausgeschöpften Ausschreibungsvolumen bemerkbar. Wenn Sie gegenüber dem Gesetzgeber einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich in Hinblick auf die Abschaffung von Planungshemmnissen wünschen?

Philipp von Tettau (PvT): Angesichts der massiven Planungshemmnisse und angesichts dessen, dass der Gesetzgeber in diesem Bereich auf Bundesebene nun über 20 Jahre keine Verbesserungen für die Windenergie geschaffen hat, müsste er der Branche eigentlich mehr als einen Wunsch gewähren! Wenn es aber nur einer sein darf: Das Recht der Regionalplanung müsste der Gesetzgeber so überarbeiten, dass die Planungsträger erstens ein verbindliches Ziel von mindestens zwei Prozent der Landesfläche zugunsten der Windenergie haben, dass sich zweitens auf diesen Flächen die Windenergie auch wirklich durchsetzt und dass drittens die Regionalplanung möglichst rechtssicher wird. Damit meine ich klare Entscheidungen des Gesetzgebers z. B. im Hinblick auf Tabukriterien zur Fehlervermeidung. Eine solche Regionalplanung könnte dem Klimaschutz sehr dienen.

JP: Und wenn wir die Zielgruppe der Frage ändern und uns als Branche ansprechen – was sollten wir tun, um auf mehr Akzeptanz für unsere Windenergieprojekte zu stoßen?

PvT: Der Klimaschutz ist ein Gemeinschaftsprojekt. Das müssen wir alle erkennen. Dazu bedarf es größter gemeinsamer Anstrengungen der Politik und der Gesellschaft. Die Branche kann das nicht alleine leisten.

Natürlich können wir als Branche aber vieles tun, um die Akzeptanz zu verbessern. Dazu gehört, möglichst frühzeitig die Transparenz von Vorhaben zu erhöhen, die Bürger und Gemeinden in den Planungsprozess einzubeziehen und in einem möglichst intensiven Kontakt vor Ort keine Diskussion zu keinem Belang zu scheuen.

Davon zu trennen ist die Frage der Wertschöpfung. Dezentrale Wertschöpfung ist keine Frage der Akzeptanzsteigerung, sondern schlichtweg ein Wesensmerkmal der Windenergie. Die Windenergie als dezentrale Erzeugungsform sollte auch zu dezentralen Wertschöpfungseffekten führen. 

JP: Herr von Tettau, Sie betreuen eine Vielzahl von Akteuren aus der Branche. Nehmen Sie wahr, dass sich die Akteursvielfalt aufgrund der Zunahme der Komplexität von Windenergieprojekten in den letzten Jahren verändert hat?

PvT: Durchaus. Wegen der immer geringeren Verlässlichkeit von Genehmigungsverfahren und den oft unverhältnismäßigen Artenschutzanforderungen, wegen den immer kürzeren Gesetzgebungszyklen zum EEG und der hierdurch entstandenen Unsicherheit auf der Vergütungsseite und nicht zuletzt wegen des unverlässlichen Rechtsschutzes gegen rechtswidrige Genehmigungsversagungen und gegen Drittrechtsbehelfe sinkt die Risikobereitschaft lokaler Akteure. Immer weniger Bürgerenergie-Projekte werden verwirklicht. Obwohl die neue Erneuerbare-Energien-Richtlinie der Europäischen Union gerade lokale Projekte als besonders wichtig für die Energiewende ansieht, drängen die überbordenden Genehmigungshemmnisse solche Akteure aus dem Markt.

JP: Und wenn Sie Ihren Mandanten einen Rat geben wollen, welches Bundesland erscheint Ihnen mittelfristig besonders attraktiv für neue Windenergieprojekte, wo rechnen Sie mit einer verlässlichen Flächenausweisung und wenig „Gegenwind“?

PvT: Ich sehe hier weniger ein ganzes Bundesland als flächendeckend „besonders attraktiv“ an. Natürlich verweigern sich manche Bundesländer wie Bayern oder Sachsen massiv einem sachgerechten Anteil an der Energiewende. Im positiven Sinn sind es aber meistens Regionen unterhalb der Ebene der Bundesländer, die sich für die Energiewende einsetzen und die Planungsverfahren verlässlicher gestalten. In diesem Sinne sind manche Regionen in - von Norden nach Süden - Niedersachsen, Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz besonders interessiert daran, einen wirklich sachgerechten Beitrag für den Klimaschutz zu leisten.

JP: Eine abschließende Frage noch: ab wann rechnen Sie damit, dass wieder mehr Genehmigungen erteilt werden und werden wir die Ausbauziele der Bundesregierung erfüllen?

PvT: Stand jetzt halte ich die Ausbauziele der Bundesregierung für 2030 ebenso wenig für erfüllbar wie das 2030-Ziel der EU. Nur massive Anstrengungen können diesen Trend ändern. Dafür bedarf es zweierlei: Einer klaren Unterstützung des Klimaschutzes und der Energiewende durch die jeweilige Regierung im Sinne eines offensiv-positiven Einsatzes für diese Belange sowie erheblicher regulatorischer Verbesserungen für Genehmigungsverfahren. Geschieht dies nicht und unterlässt der Gesetzgeber insbesondere Verbesserungen beim Planungs-, Genehmigungs- und Naturschutzrecht zur Gewährleistung schneller, verlässlicher und rechtssicherer Genehmigungsverfahren, ist eine hinreichende Anzahl von Genehmigungen kaum absehbar.

JP: Herr von Tettau, vielen Dank für das Gespräch.


Neuigkeiten aus der BayWa r.e. Wind

Unterschätztes Sparpotenzial: Der Netzanschluss

Das Einsparpotenzial durch Netzanschlussoptimierung ist größer als gedacht. Regelmäßig kann ein hoher Prozentsatz der Kosten im Vergleich zur ersten Netzanschlusszusage durch den Netzbetreiber eingespart werden. Projektplaner sollten sich daher möglichst früh, bestenfalls schon vor dem Einreichen des Genehmigungsantrags mit dem Netzanschluss auseinandersetzen.

Hierbei ist es ratsam, sich von externen Experten unterstützen zu lassen. Unser BayWa r.e. Netz-Experte, Marcus Kosel, empfiehlt beispielsweise, den Netzbetreiber bereits beim Erstkontakt zur Überprüfung von mindestens zwei konkreten Netzverknüpfungspunkten aufzufordern, wozu dieser gemäß Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) verpflichtet ist. Als Orientierungshilfe für die Antragsstellung kann die Checkliste des Arbeitskreises Netze des Bundesverbands Windenergie dienen. Die Liste enthält eine Übersicht aller Anforderungen an die Netzdaten und ergänzt den Antrag bezüglich der Prüfung eines optimalen Netzanschlusspunktes. 

Einer der wichtigsten Faktoren für die Netzanschlussoptimierung ist die Wahl eines geeigneten Netzbetreibers. Da es in ganz Deutschland etwa 900 gibt, sind die meisten Windparks von mindestens fünf Stadt- oder Überlandwerken umgeben. Für die Antragsstellung selbst sind vor allem korrekte Daten, wie die elektrischen Eigenschaften der Anlage, die richtige Anschlussstelle im Stromnetz und die Anzahl an Alternativen entscheidend. Hieraus kann beispielsweise die Aufteilung des Windparks auf mehrere unabhängige Netzverknüpfungspunkte resultieren, was zu hohen Kosteneinsparungen führen kann.

Da moderne Windenergieanlagen mittlerweile eine Nennleistung von deutlich mehr als vier Megawatt aufweisen, fordern Netzbetreiber immer häufiger dazu auf, private Umspannwerke zu errichten. Diese sollten jedoch angesichts sehr hoher Anschaffungs- und Instandhaltungskosten möglichst vermieden werden. Meist lohnt es sich, in Absprache mit einem erfahrenen Berater, die Anlagen auf bereits bestehende Umspannwerke zu verteilen. 

Weiteres Einsparpotenzial gibt es beim Thema Spitzenkappung. Im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) § 11/2 wurde für Netzbetreiber die Möglichkeit geschaffen, bei der Ermittlung von Netzverknüpfungspunkten bis zu drei Prozent der Arbeit abzuregeln. Hier greift der Effekt, dass Energie aus Wind und Solar meist nicht gleichzeitig mit voller Leistung ins Stromnetz eingespeist wird. Erfolgt im realen Betrieb dennoch eine gleichzeitige Einspeisung, darf besagter Prozentsatz des erzeugten Stromes gedrosselt werden. Kann ein Netzkabel also 10 Megawatt abtransportieren und es war bereits eine 5 Megawatt Photovoltaik-Anlage angeschlossen, blieben bisher 5 Megawatt für Windenergieanlagen übrig. Wenn der Netzbetreiber künftig ein meteorologisches Gutachten für die Stromerzeugung über ein Jahr erstellt, werden aus 5 Megawatt Photovoltaik-Strom schnell 4 Megawatt oder weniger, womit Kapazitäten für Einspeiseleistung aus Windenergie frei werden.

Neben der gemeinsamen Analyse und Optimierung von Investitions- und Betriebskosten bietet BayWa r.e. attraktive Möglichkeiten für die Zusammenarbeit an. Um die Wirtschaftlichkeit von Projekten zu verbessern und die Genehmigungswahrscheinlichkeit zur erhöhen, geht das Unternehmen Entwicklungskooperationen ein, bei denen alle beteiligten Partner ihre Stärken in das jeweilige Projekt einbringen und so Synergien nutzen können. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit der kompletten Projektübernahme.

Möchten Sie den Netzanschluss Ihres Projektes prüfen lassen? Sprechen Sie mit unserem Experten Marcus Kosel, Netzexperte der BayWa r.e. Wind GmbH.

Ihr Kontakt

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Marcus Kosel
Projektmanager
BayWa r.e. Wind GmbH

Neuigkeiten aus der BayWa r.e.

BayWa r.e. baut ersten förderfreien Solarpark in Deutschland 

BayWa r.e. baut den ersten, deutschen Solarpark der vollständig ohne Förderung auskommt und erbringt damit den Beweis, dass die Solarenergie schon heute in Deutschland marktfähig sein kann. Das Projekt Barth V, rund 30 Kilometer östlich von Stralsund, kommt auf eine Gesamtleistung von 8,8 MW. Baubeginn war Anfang Juni 2019.

Benedikt Ortmann, Geschäftsführer der BayWa r.e. Solar Projects GmbH, betont: „Mit unserem 175-MW Solarpark Don Rodrigo, den wir Ende letzten Jahres in Südspanien errichtet haben, haben wir gezeigt, dass Solarstrom bereits heute günstiger erzeugt werden kann als konventioneller Strom. Wir sind stolz darauf, jetzt auch in Deutschland, mit niedrigeren Einstrahlungswerten, das erste förderfreie Solarprojekt umzusetzen und damit eine neue Ära in der erneuerbaren Energieerzeugung einzuläuten.“ 

Der erzeugte Strom soll über einen langjährigen Stromabnahmevertrag (PPA) an einen Industriepartner geliefert werden. Derzeit laufen Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten. Die Vermarktung des Stroms wird die hauseigene Energiehandelstochter BayWa r.e. Clean Energy Sourcing GmbH (CLENS) übernehmen. 

Das Projekt profitiert von Vorgängerprojekten am gleichen Standort. So wurden Kabeltrassen und Netzanschluss bereits frühzeitig mitgeplant. Auch das optimierte Planungs- und Systemdesign von BayWa r.e. sowie die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Flächeneigentümer und den Gemeinden machen die Realisierung des Projekts möglich. 
Der Solarpark wird auf dem Gelände des Ostseeflughafens Stralsund-Barth errichtet. Durch die Pachteinnahmen ist der kommunale Flughafen einer der wenigen, die wirtschaftlich und unabhängig von öffentlichen Geldern betrieben werden können.

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Solarpark Barth

Neuigkeiten aus der BayWa AG

BayWa AG erntet Tomaten in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Bereits zwei Monate nachdem in Al Ain in den Vereinigten Arabische Emiraten (VAE) 90.000 Setzlinge gepflanzt wurden, hat die Ernte der ersten 1,5 Tonnen Snack-Tomaten begonnen. Die Snack-Tomaten reifen in zwei hochmodernen Klimagewächshäusern mit jeweils fünf Hektar Fläche, die BayWa und Al Dahra Holding im Rahmen des Joint Ventures Al Dahra BayWa Agriculture LLC errichtet haben. Die maximale Erntemenge von 15 Tonnen wöchentlich je Klimagewächshaus ist bereits erreicht. Schon vor Produktionsbeginn war die komplette erste Ernte lokal vermarktet, da eine hohe Nachfrage an regional und nachhaltig erzeugtem Obst und Gemüse in den VAE besteht. Ziel des gemeinsamen Projektes von BayWa und Al Dahra ist, vor Ort Fruchtgemüse effizient und ressourcenschonend anzubauen und anschließend lokal zu vermarkten. 

Die natürlichen Bedingungen für die Landwirtschaft sind in den Emiraten sehr anspruchsvoll. Mittlerweile ist das Premium-Fruchtgemüse bereits unter der Eigenmarke „Mahalli“ (mahalli.eu) in den Regalen des lokalen Lebensmitteleinzelhandels zu finden. 

„Local for local“, betont der Vorstandsvorsitzende der BayWa AG Klaus Josef Lutz „ist ein wichtiges Instrument, um in Zukunft die nachhaltige Versorgung der Menschen vor Ort angesichts des Bevölkerungswachstums, Klimawandel und abnehmender Agrarfläche weltweit zu verbessern.“

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BayWa und Al Dahra bauen Tomaten in der Wüste an
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