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Gutachten zu Regelleistungs-Abrufen und Intraday-Preisen

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Das energiewirtschaftliche Beratungsunternehmen Neon Neue Energieökonomik hat in einem am 20. Oktober 2021 veröffentlichten Gutachten den Zusammenhang zwischen Regelenergieabrufsignalen und anschließenden Preisbewegungen auf dem deutschen Intraday-Markt untersucht. Dabei identifizierte Neon einen robusten und statistisch äußerst signifikanten Zusammenhang: Nach Abrufen der Sekundärregelleistung (SRL) und Minutenreserve (MRL) kommt es demnach systematisch zu Preisbewegungen bei allen Intraday-Handelsprodukten mit Lieferzeitpunkt in den jeweils nachfolgenden zwei Stunden.

Das Gutachten wurde im Auftrag der Direktvermarkter BayWa r.e. AG, MVV Energie AG, Quadra Energy GmbH, Sunnic Lighthouse GmbH und TrailStone Renewables GmbH durchgeführt. Bereits seit Längerem fordern die Unternehmen mehr Transparenz und gleiche Bedingungen für alle Marktteilnehmer. Die durchgeführte Studie bestätigt die Richtigkeit der Forderung. Konkret heißt das, dass keinem Marktakteur durch die Teilnahme am Regelenergiemarkt Informationsvorteile für den Handel am Intraday-Markt entstehen sollen. Eine Veröffentlichung der Abrufsignale von SRL und MRL sowie des Regelzonensaldos in Echtzeit gegenüber allen Marktteilnehmern kann hierfür eine sinnvolle und einfach umsetzbare Lösung sein. Denn aktuell werden in Deutschland, anders als beispielsweise in den Niederlanden, die Regelenergieabrufe bzw. deren Signale nicht in Echtzeit veröffentlicht. Denkbar ist zudem die Veröffentlichung des abgerufenen Maximalpreises von SRL und MRL. Die im September vorgestellte „Regelzonensaldo-Ampel“ ist dagegen unzureichend, um gleiche Bedingungen für alle Marktakteure zu gewährleisten.

Prof. Dr. Lion Hirth, Geschäftsführer von Neon und Studienleiter, zu den Ergebnissen der Studie: „Die Ergebnisse legen nahe, dass Marktakteure die Information aus dem Regelleistungs-Abruf für Handelsentscheidungen am Intraday-Markt nutzen. Das Problem: Marktteilnehmer, die nicht oder nur in geringem Umfang am Regelenergiemarkt aktiv sind und somit nicht über den Informationsvorsprung zum Handel auf dem Strommarkt verfügen, erleiden so einen wirtschaftlichen Nachteil.“

Neon hat für das Gutachten 80 Millionen Transaktionen auf der EPEX Spot-Intraday-Handelsplattform sowie 50 Millionen SRL- und MRL-Abrufe aus dem Zeitraum von Anfang 2020 bis Mitte 2021 ausgewertet. Dafür wurden multiple Regressionsanalysen verwendet. So konnte eine Vielzahl von Einflussfaktoren des Intraday-Preises wie etwa Erzeugungsprognosen von Erneuerbaren-Energien-Anlagen statistisch herausgerechnet werden. Die Autoren stellen fest, dass sich die Preise am Intradaymarkt nach Abruf von positiver Regelenergie nach oben bewegen, nach dem Abruf von negativer Regelenergie entsprechend nach unten. Der Effekt ist dabei tendenziell umso größer, je kürzer der zeitliche Abstand zwischen dem Zeitpunkt des Abrufs und dem des Handels ist, je kurzfristiger der Handel vor Lieferbeginn stattfindet und je höher der Abruf ausfällt. Der Effekt ist außerdem bei Viertelstundenprodukten größer als bei Stundenprodukten, bei positiven Regelenergieabrufen stärker als bei negativen und bei SRL-Abrufen stärker als bei MRL-Abrufen.

Jonathan Mühlenpfordt, Analyst bei Neon und Mitarbeiter der Studie, sagt dazu: „Die Preisbewegungen sind so auffällig, dass wir rein zufällige Schwankungen als Ursache mit einer Konfidenz von mehr als 99,99 % ausschließen können.“

Findet beispielsweise ab 11:30 Uhr ein positiver SRL-Abruf von 1.000 Megawatt (MW) über 15 Minuten statt, so ist nach Ergebnissen der Analyse der Strompreis um 11:46 Uhr für die Lieferung von 12:00 bis 12:15 Uhr im Mittel um ca. 34 €/MWh höher als ohne Abruf. Darüber hinaus steigt auch der Preis für die weiteren Stunden- und Viertelstundenkontrakte mit Lieferbeginn zwischen 12:00 und 14:00 Uhr.

Die Studie ist unter folgendem Link abrufbar: https://neon.energy/Neon_2021_Intraday_Regelleistung.pdf

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Felix Gmelin
Communication Manager
BayWa r.e. AG
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